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Hauptpreis

 

Die Hans-Meid-Stiftung zeichnet die 1976 in Halle/Saale geborene Künstlerin Claudia Berg mit dem Hauptpreis aus. Sie würdigt damit eine Künstlerin, die vor allem als Zeichnerin hervortritt. Zeichnend eignet sich Berg die Welt an und schöpft dabei aus Quellen europäischer und asiatischer Traditionen. Sie versteht es, diese vielfältigen Anregungen in eine eigene, unverwechselbare Ausdrucksweise zu überführen, in der stets ein lyrischer Grundton mitschwingt.

Claudia Bergs „Handschrift“ ist zart und entschlossen zugleich. Der Linie kommt in ihrem Werk zentrale Bedeutung zu. Es ist nicht nur die mit Kohle, Tusche oder Silberstift aufs Papier gesetzte Linie, sondern auch der mit der Radiernadel ins Metall gegrabene Strich, denen die Künstlerin alle Nuancen ihrer subtilen Erscheinungsformen zu entlocken versteht.

Menschenleere Landschaften, sparsame Stillleben und Bildnisse sind die Themen ihrer Zeichnungen und Kaltnadelradierungen, die trotz ihres Realismus jede Schärfe vermeiden. Stattdessen erfüllt ein weiches Sfumato die Kompositionen, so dass das Atmosphärische greifbar zu werden und sich das Dargestellte sanft zu entziehen scheint. Claudia Bergs Graphiken oszillieren zwischen Enthüllen und Verbergen, sie erzählen Geschichten, deren Narrativ verborgen bleibt, aber die Phantasie inspirieren.

Ihre Neigung zum Erzählerischen in der Kunst hat Claudia Berg zur Buch-Illustration geführt. Es entstanden Kaltnadelradierungen zu Texten und Gedichten von Paul Celan, Josef Conrad, Jan Skácel oder Kurt Tucholsky, vor allem aber zu Texten der deutschen Klassik und Romantik. Bergs kongenialem Einführungsvermögen gelingt es in ihren zumeist großformatigen, schön gestalteten Pressedrucken Text und Bild zu einer bildpoetischen Einheit zu verbinden.

Der Preis ist mit 15.000 EUR dotiert. Bisherige Preisträger waren 1994 Klaus Waschk, 1995 Egbert Herfurth und Rolf Münzner, 1996 Baldwin Zettel, 1999 Eckehard Froeschlin, 2001 Jürgen Wölbing, 2007 Tobias Teschner, 2011 Jens Harder, 2013 Nadia Budde, 2015 Lars Henkel und 2017 Line Hoven.

 

 

Förderpreise

 

Neben dem Hauptpreis vergibt die Hans-Meid-Stiftung 2021 im Rahmen des Hochschulwettbewerbs sechs Förderpreise. Wie schon in den vergangenen Jahren waren die Professorinnen und Professoren der Fächer Illustration und Druckgrafik an den Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgerufen, Studierende für den Förderpreis der Hans-Meid-Stiftung zu nominieren. 44 Nominierungen wurden eingereicht, unter denen die Jury die mit je 1.500 EUR dotierten Förderpreise vergab. Ausgezeichnet werden Benjamin Gottwald, Niklas Wesner, Simone Goder, Ceylan Maurer, Lara Swiontek und Yannick Söllner. Die Hans-Meid-Stiftung möchte mit den Förderpreisen insbesondere talentierte Studierende und Berufseinsteiger auf ihrem künstlerischen Weg unterstützen.

 

 

Ehrenmedaille

 

Mit der Hans-Meid-Medaille für Illustration wird ein hervorragendes, beispielhaftes Lebenswerk ausgezeichnet. Die Wahl der Jury fiel in diesem Jahr auf Albrecht von Bodecker. Albrecht von Bodecker, geboren 1932 in Dresden, besuchte von 1951 bis 1954 die Fachschule für angewandte Kunst in Wismar bzw. nach deren Umzug in Heiligendamm. Es folgte ein Studium an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee u.a. bei Herbert Behrens-Hangeler und Bert Heller. 1957 wurde von Bodecker „aus kulturpolitischen Gründen“ exmatrikuliert, woraufhin er an die Hochschule für bildende Künste in Berlin-Charlottenburg zu Friedrich Stabenau wechselte. Aufgrund des Mauerbaus am 13. August 1961 musste von Bodecker, der im Bezirk Prenzlauer Berg wohnte, das Studium im Westteil der Stadt aufgeben. Danach war als freiberuflicher Grafiker und Illustrator tätig. 1989 erhielt er den Kunstpreis der DDR.

Nach der „Wende“ wurde sein Diplom nachträglich durch die Kunsthochschule Weißensee anerkannt. Ab 1991 war von Bodecker an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig tätig, von 1994 bis 1997 als deren Rektor. Seit seiner Emeritierung lebt er wieder freischaffend in Berlin und in der Uckermark. Von 1994 bis 2009 gehörte er dem Kuratorium der Hans-Meid-Stiftung an.

Albrecht von Bodeckers Illustrations-Werk ist äußerst umfangreich und vielgestaltig. Es umfasst ebenso klassische wie zeitgenössische Literatur und Kinderbücher – von Edgard Allan Poe über Reiner Kunze bis Thomas Rosenlöcher – und erschien in zahlreichen Verlagen in der DDR, später auch im Westen Deutschlands. Sein Stil ist von feinem Humor und einem Hang zur Arabeske geprägt. Es geht ihm nicht nur um Befriedigung des ästhetischen Bedürfnisses, sondern auch um tiefere Erkenntnis, die er freilich mit leichter Hand in Szene setzt. 1995 verfasste er die Einleitung zu der Publikation „Über das Vergnügen, Bücher zu machen“ des Instituts für Buchkunst.

Die Auszeichnung ist mit einem Ankauf für das Archiv der Hans-Meid-Stiftung über 5.000 EUR verbunden.

Die bisherigen Träger der Hans-Meid-Medaille sind Otto Rohse (1997), Bernhard Heisig (1998), Kurt Löb (1999), Horst Hussel (2003), Núria Quevedo und Prof. Dr. Franz Hermann Franken (2005), Hans Ticha (2007), Tomi Ungerer (2008), Karl-Georg Hirsch (2009), Volker Pfüller (2011), Klaus Ensikat (2013) und Hans-Joachim Gelberg (2015).

 

 

Die Preisverleihungen finden am 3. April 2022 in der Fabrik der Künste in Hamburg statt. Mit der Preisverleihung wird zugleich eine Ausstellung mit Werken der Preisträger und Preisträgerinnen eröffnet.